Mit Bogner gesellt sich eine weitere Firma des amerikanischen Marktes in das Hochpreissegment von Thomann. Bei der Bogner 2x12 hat man es mit einer Box zu tun, die nichts für den kleinen Geldbeutel ist. Selbst die schon teuren Mesa 2x12-Boxen sind hier noch fast 100 Euro billiger. Hält die Box was der Preis verspricht? Lasst es uns herausfinden.
Da es nur wenige Boxen gibt, die sich in denselben preislichen Höhen befinden und ein Exemplar sich des weiteren zum A-B-Vergleich in unserem Proberaum befand, werde ich die viel kommentierte Mesa 2x12 als Referenzmodell heranziehen.
Sound: Erster und wichtigster Punkt. Und hier kann ich sagen: Ein absolutes Glanzstück! Ich selbst nutze die Box mit einem Mesa Boogie Mark IV und habe darüber bisher sämtliche Formen von Rock, Hardrock und Metal gespielt. Die Box bedient alle diese Gefilde wunderbar. Unglaublich runder, knackiger und klarer Sound ohne unangenehme Frequenzen. Besonderes Augenmerk möchte ich aber auch noch auf die Wiedergabe von Cleans legen - ein Traum - ich habe bisher keine andere vergleichbare Box gehört, die diese so schön warm wiedergibt! Es dürften hier also Gitarristen aller stiltechnischen Prägungen auf ihre Kosten kommen, die sich mit dem Sound der populären Celestion Vintage 30 Speaker anfreunden können.
Im Vergleich zur Mesa 2x12 kommt mir die Bogner wesentlich transparenter und fokussierter im Klang vor. Das könnte vor allem daran liegen, dass sich das gesamte Frequenzspektrum mittiger bewegt. Dabei dürfte vor allem die Bauweise eine große Rolle spielen. Die Mesa ist tiefer und massiver gebaut, was ihr mehr "Boom" verleiht, für mich aber stellenweise zu dick aufträgt und undefiniert wird. Wir sprechen hier natürlich von Tendenzen - keine der beiden Boxen klingt schlecht. Aber in diesem Preissegment kann man sich dann doch schon einmal ein wenig genaueres Hinhören erlauben.
Noch eine Bemerkung zum Thema Bauweise: Viele 2x12 Boxen haben im Gegensatz zu ihren "slanted" 4x12-Geschwistern Probleme, den Sound im Bandkontext beim Gitarristen ankommen zu lassen, was einfach dem Umstand geschuldet ist, dass die Speaker geradlinig nach vorne strahlen und die Box weniger hoch ist, es sei denn man stapelt sie auf Kisten und stellt Winkel unter. Nicht so im Falle dieser Box. Die leicht abgeschrägte Front trägt dazu bei, dass sich der Sound der Celestion Vintage 30s gleichmäßiger im Raum verteilt. Meiner Meinung nach ein sehr durchdachtes Design.
Optik: Die Fotos, die hier zu sehen sind sollten für sich sprechen. Die Front kommt in einem eher Vintage anmutenden Grey-Weave daher, das ich persönlich sehr ansprechend finde. Beim genaueren Hinschauen sieht dieses auch sehr hochwertig und edel aus, mit einem leicht gold glänzenden Einschlag. Selbiges gilt auch für den goldenen Schimmer der Griffbefestigung. Echter Hingucker ist das Tolex, das mit den eingearbeiteten Mustern definitiv gegenüber der in der Regel schlichten Konkurrenz hervorsticht. Da merkt man dann tatsächlich, in welchen preislichen Dimensionen man sich hier bewegt. Ich bin immer noch begeistert wenn ich die Bogner anschaue - und es ist eine BOX von der wir hier sprechen.
Verarbeitung / Praktikabilität: Bisher habe ich keine Versuche unternommen, die Bogner 2x12 großartig zu bewegen oder sie einem Stresstest mit dem Baseballschläger auszusetzen. Fakt ist - sie scheint wie ein Panzer gebaut zu sein, ich denke nicht, dass man da enttäuscht sein dürfte. In wie weit das abgeschrägte Design der Front die Durabilität beeinflussen könnte, wird sich zeigen müssen. Größentechnisch handelt es sich hier um eine Box, die nahezu die Abmaße einer 4x12 einnimmt. Das schlägt sich auch im Gewicht nieder, welches mit 39 kg nicht gerade gering ist. Kompaktheit und Transportabilität sind hier also weniger der Fokus gewesen. Die Bogner spricht mit ihren Dimensionen wohl am ehesten Studiomusiker und Soundfetischisten an, die gewillt sind, die Rückenschmerzen für den Klang zu ertragen oder die Box schlichtweg nicht bewegen. Sollte es doch mal der Fall sein, bietet sie aber 3 gut verarbeitete Griffe, die den Transport erleichtern, was Mesa selbst bei einem Preis von über 800 Euro bei ihren massiven, immerhin 28 Kilo schweren 2x12-Boxen nicht geschafft haben. Die abnehmbaren Rollen - mein einziger Grund für einen Stern Abzug - sehen dagegen im Vergleich zu eben genannten eher klein und nicht sehr roadtauglich aus, da hat Mesa definitiv die Nase vorn.
Fazit: Die Bogner ist sowohl preislich als auch soundtechnisch ein echtes Schwergewicht. Hier wird im Hoch-Hochpreissegment eine Box geboten, die vielseitiger und edler nicht sein könnte. Wer gewillt ist, tief in die Tasche zu greifen, wird eine Investition fürs Leben und für jegliche Form gitarristischen Anspruchs tätigen. Nach wie vor gilt: antesten und vergleichen, jeder hat eine andere Vorstellung vom "perfekten Sound". Ich habe ihn gefunden. Klare Kaufempfehlung von einem Soundfetischisten am Ende seiner langen Suche!